Bodypercussion

Warum Bodypercussion?

Seit ich vor etwa acht Jahren zum ersten Mal auf Bodypercussion aufmerksam wurde, war es um mich geschehen. Als gelernter Schlagzeuger war ich es zwar gewöhnt, auch auf mir selbst herumzutrommeln – was im Übrigen nicht immer auf Gegenliebe stieß, wenn ich mich in Gesellschaft befand – aber auf die Idee, diese unterschiedlichen mit dem eigenen Körper erzeugten Klänge (Klatschen, Schläge auf Brustkorb und Schenkel, Fingerschnipsen und Fußstampfen) gleichsam systematisch zu ordnen und zu koordinieren, um daraus durchaus „ernsthafte“ Grooves zu kreieren, war ich bis dahin nicht gekommen.

Der Brasilianer Pedro Consorte war für mich dann die Entdeckung. Seine mitreißende Samba-Performance, nur mit Handy-Kamera aufgenommen und ganz unspektakulär lediglich vor einer weißen Tür stehend, hatte mich wahrlich begeistert. Unglaublich, wie man so grooven konnte – ganz ohne Instrument. Das wollte ich auch!

Und so begann ich, mich mit dieser musikalischen Ausdrucksform zu beschäftigen, über die Jahre immer mehr und intensiver. Ich entwickelte unzählige Übungen und Rhythmen (Grooves), die ich dann auch in Kursen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Musiker, Lehrer, Chöre etc. weitergab.
Während meiner dreieinhalbjährigen Zeit an einem Aachener Gymnasium als Musiklehrer hatte ich überdies ausgiebig Gelegenheit, all diese Ideen einem Praxistest zu unterziehen. Die Kinder hatten viel Spaß daran, und es kam zu diversen Aufführungen, die viel Anklang fanden.

Mit der Zeit wuchs ich immer mehr in meine neue Rolle als Workshop- und Kursleiter für Bodypercussion hinein, und es macht mir nach wie vor großen Spaß, mein Wissen weiterzugeben, gerade auch Kinder anzuleiten, ihre Koordinationsfähigkeit, ihre Konzentration, ihre Merkfähigkeit und ihre Kreativität zu fördern.

Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. So kann jeder für sich alleine üben, zu zweit oder in einer größeren Gruppe. Auch lässt sich BP hervorragend mit Tanz oder Gesang verbinden. Darüber hinaus ist es mir ein wichtiges Anliegen, gerade auch Musikern BP näherzubringen, dergestalt, dass man, ausgehend von einem vorher aufgenommen Groove, verschiedene andere Instrumente hinzufügen kann.

Hier ein Klangbeispiel

Für wen ist Bodypercussion geeignet?

Im Prinzip für jede(n). Ob musikalisch vorbelastet oder nicht – entscheidend ist die Lust an Bewegung und Rhythmus. Der ganze Körper wird einbezogen.
Bei Kindern liegt der Schwerpunkt auf spielerisch einfachen Übungen, Reimen und Liedern. Als Ergänzung zur musikalischen Früherziehung eignet sich Bodypercussion ganz hervorragend.
Jugendliche, deren Motorik bereits ausgestaltet ist, finden Gefallen daran, ihre Musik (nicht selten HipHop) mit einzubeziehen, zu der wir dann gemeinsam in der Gruppe eine rhythmische Begleitung entwickeln, während der Song dazu läuft.
Erwachsene, die bislang nie ein Instrument gespielt haben, erkennen und entdecken die vielfältigen Möglichkeiten, die Bodypercussion ihnen bietet, ohne dass sie deswegen irgendwelche Anschaffungen zu tätigen hätten.
Jene, die bereits ein Instrument spielen, sind eher daran interessiert, ihre rhythmische Sicherheit zu festigen und zu erweitern. Welches Instrument man auch immer spielt, die Rhythmik gehört immer dazu – was oft unterschätzt wird.
Selbstverständlich auch (professionelle) Musiker, die sich beispielsweise für kompliziertere Spielformen wie Odd-Meter (ungerade Metren) oder Unabhängigkeit der Gliedmaßen interessieren oder die ihr „Phrasierungsvokabular“ erweitern wollen.

Interview in der Aachener Zeitung vom 19. März 2016

Artikel in der AZ v. 19.03.2016